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Querulant

Die freiberuflichen Dolmetscher und Dolmetscherinnen, die für das Europäische Parlament arbeiten, haben es nicht leicht. Die Arbeit ist an sich schon schwer, reden doch die Herren (und Damen) Abgeordneten viel zu schnell, um sie adäquat dolmetschen zu können. Das soll keine Klage sein, nur eine Feststellung: ich verstehe durchaus, warum Abgeordnete versuchen, so viel wie möglich so schnell wie sie nur können in der kurzen Zeit, die ihnen der Herr Parlamentspräsident gewährt, zu sagen. Obendrein sind die Arbeitszeiten (besonders im Plenum) nicht familienfreundlich, to say the least. Dann kommt noch die Parlamentsverwaltung hinzu: seit Jahren scheint sie sich zum Ziel gesetzt zu haben, die ihnen unterstellten Dolmetscher zu schikanieren (Schikane ist auch so ein Wort, das ich in meiner Sammlung aufnehmen sollte, wenn ich die Zeit dazu finde). Man muss ja sparen. Austerität! Naja... Sie kennen das sicher auch. Dafür und für die sonstigen Schwierigkeiten, die wir haben, gibt es Gründe. Die Gründe mögen nicht vernünftig oder lauter sein, man muss sie nicht teilen, aber im Prinzip kann man die Argumentation der Gegenseite nachvollziehen. Man kann sich vorstellen, wie sie darauf kommen und warum. Meistens, jedenfalls.

Aber dann gibt es auch noch Kollegen, die sich in den Foren, die man eigens eingerichtet hat, um unsere Probleme zu besprechen und um Lösungen zu finden, lang und breit in endlosen Tiraden darüber auslassen, wie großartig sie sind, wie schlecht alle anderen sind, wie ungerecht sie behandelt werden, in welchen unglaublichen Maße sie unverstanden sind oder missverstanden werden, wie viele Formfehler die Delegation begangen hat (immer zu ihren Ungunsten, selbstverständlich) und wie böse die Welt sie doch allgemein behandelt. Diese Argumente, bedaure, die muss ich nicht nachvollziehen.

Für diesen Typus Mensch gibt es im Deutschen den Begriff des Querulanten, auch Streithansel, Kritikaster, Nörgelfritze, Nörgler, Beckmesser, Meckerer, Stänkerer, Mäckler, Raunzer, Meckerfritze, Meckerziege, Quertreiber, Knurrhahn genannt (bei der Liste habe ich mich am Duden orientiert, wobei mir aufgefallen ist, dass viele der Begriffe, die ich gerade aufgelistet habe, im Duden in der weiblichen Form aufgeführt wurden, wovon ich nur Meckerziege nicht ins männliche umkehren konnte. Sin comentarios). Ich finde es zum einen erstaunlich, dass die deutsche Sprache so viele Synonyme für diese Unart des Menschen hat. Zum anderen wundere ich mich, warum mir auf Spanisch oder Englisch nichts vernünftiges als Übersetzung einfällt.

PS: Und dann gibt es noch den Besserwisser und den Rechthaber, die auch nicht leicht zu übertragen sind. Und beim Rechthaber habe ich damals obendrein noch die verwandten Begriffe Korinthenkacker, Erbsenzähler, kleinkariert, Wortverdreher, Rabulistik, Sophisterei, Haarspalterei, Scholastizismus, Spitzfindigkeit, Trichotomie, Silbenstecherei, Wortfuchserei, Silbenklauberei, Wortklauberei aufgelistet. Da bleibe ich grübelnd zurück und sage nichts mehr.

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