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Tretmühle

Eine Tretmühle (auch als Tretrad oder Laufrad bekannt) ist eine seit dem Römischen Reich bis in die Moderne benutzte Vorrichtung für den Antrieb von Mühlen und insbesondere von Kränen (oder Krane, wie die Ingenieure gerne sagen). Sie arbeitet nach dem Prinzip des Wellrads und nutzt die Körperkraft von Menschen oder Tieren. Im antiken Rom bezeichnete man die damals eingesetzten Tretkräne als trispastos (die kleine Ausführung mit drei Flaschenzügen) pentaspastos (größer, mit fünf Flaschenzügen) oder polyspastos (die größere Ausführung, mit zahlreichen Flaschenzügen), man konnte damit mehrere Tonnen heben. Ein Nachbau eines polyspastos kann in Bonn besichtigt werden. Wenn die Tretmühle ab dem Mittelalter als Kran eingesetzt und von Menschen angetrieben wurde, nannte man diese Arbeiter Windenknechte. Es war eine sehr harte aber gut entlohnte körperliche Arbeit, die unter anderem das Risiko des ins Schleudern (bzw. ins Rotieren) kommen barg. So bezeichnete man die Situation, wenn die zu hebende Last mangels Arretiermechanismus unkontrolliert nach unten fiel, wodurch der Windenknecht innerhalb des Rades umhergeworfen wurde, oft mit tödlichem Ausgang. Tretmühlen kamen nach dem Fall des Römischen Reiches zunächst in Vergessenheit, um im Spätmittelalter wieder entdeckt oder erfunden zu werden. Zu der Zeit nannte man sie magna rola, was so viel wie großes Rad bzw. große Winde bedeutet. Ohne Tretmühlen wäre der Bau der spätmittelalterlichen Kathedralen undenkbar gewesen. Brunelleschi benutzte sie ausgiebig zum Bau des Florentiner Doms und führte dabei zahlreiche Neuerungen ein. Tretmühlen wurden auch als körperliche Strafe eingesetzt, zum Beispiel in Strafanstalten oder -lager bis ins Viktorianische England und seinen Kolonien. Die Tretmühle ist in der heutigen Zeit selbst als Strafinstrument kaum noch in Gebrauch, aber der Begriff hat sich auf andere alltägliche Bereiche ausgeweitet: So bezeichnet man im übertragenen Sinne eine Routinearbeit abfällig als Tretmühle, manchmal bezeichnet man mit diesem Begriff auch die Laufbänder in Fitness-Studios. Als winzige Ausführung findet man die Tretmühle als Hamsterrad. Der Begriff lässt sich ohne Mühe ins Englische übersetzen, Englisch hat sogar zwei Worte dafür, je nachdem, ob die Sprossen für den Vortrieb innerhalb oder außerhalb des Rades angebracht waren: treadwheel oder treadmill. Aber merkwürdigerweise finde ich im Spanischen kein adäquates Äquivalent: es gibt zwar aus dunkler Vorzeit den mittlerweile fast vergessenen Begriff der grúa de rueda (wortwörtlich: Rad-Kran), aber ich finde kein Beispiel für eine moderne Anwendung davon. Das ist merkwürdig, denn auch in Spanien wurden Kathedralen gebaut. Für andere Anwendungsbereiche, wie etwa Wasserschöpfen, als Getreidemühle oder als Strafinstrument finde ich rein gar nichts. Woran das wohl liegen mag? Für das Fitnessgerät hingegen gibt es zahlreiche Bezeichnungen: cinta ergométrica, cinta de correr, caminadora de banda oder máquina de caminar. Aber das ist eine neue Entwicklung und hat eigentlich nichts mit der ursprünglichen Tretmühle zu tun. Welches Wort könnte man bloß der spanischen Sprache hinzufügen, damit sie den Begriff der Tretmühle im alltäglichen Sinne ausdrücken kann? Oder nehmen Spanier den Alltag nicht als Tretmühle wahr? Schwierig…
Im Zusammenhang mit Tretmühlen wäre auch das Hamsterrad zu erwähnen. Das ist im Spanischen immerhin bekannt.

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