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Unterfordern

Es gibt Menschen, die haben Fähigkeiten, das glaubt man nicht. Schon als Kinder waren sie in der Schule unterfordert. Sie hatten eine so flinke Auffassungsgabe, dass sie sich schnell gelangweilt haben. Wenn die Lehrer nicht gut genug waren, dachten sie zuweilen, diese Kinder wären unaufmerksam, leicht zerstreut. Manche wurden vor lauter Klugheit aus Langeweile dumm und fielen zurück. Der Lehrer fühlte sich bestätigt und ward mit sich zufrieden. Wenn die Lehrer jedoch gut waren, merkten sie vielleicht, dass diese Kinder etwas Besonderes waren und versuchten, sie in Förderprogramme für Hochbegabte unterzubringen. Überfordern ist jeder mir bekannten Sprache ein Begriff. Aber das Gegenteil nicht. Was sagt ein überforderter Engländer? Vielleicht „it’s beyond me“? Und ein Spanier? „Me supera“? „Es demasiado para mi“? Eventuell. Aber das Gegenteil funktioniert nicht. Weder „I am beyond it“, noch „It is below me”, noch “lo supero” noch “es poco para mi”. Nicht einmal „me sabe a poco“, obwohl das in einem anderen Zusammenhang noch grammatikalisch korrekt wäre. So geht es einfach nicht, die Grammatik erlaubt keine Bedeutungsumkehr indem man einfach ein Präfix in sein Gegenteil umwandelt. So bleiben die Spanier und die Engländer bescheiden und sind nicht unterfordert, im Gegenteil zu den Deutschen. Die dürfen das sein. Rein grammatikalisch.

Übrigens: Neuerdings gilt jeder bis zum Beweis des Gegenteils als hochbegabt. Everybody has won! Everybody shall have prices!
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/coaching-fuer-eltern-unser-sohn-wird-mal-hochbegabt-12858950.html

Kommentare

 
Am 08.05.2018 um 06:42 von Erik
Als Synonym würde ich "Keine/Ohne Herausforderung" nehmen und dann "unchallenged" oder "not challenged" übersetzen. Aber keine Ahnung ob das dann auf Spanisch genauso mit "sin desafio" oder "ningún desafío" funktioniert?
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untrans.eu
Am 08.05.2018 um 08:11 von Jordi
Danke für Dein Vorschlag, Erik, aber auf Spanisch funktioniert das so leider nicht. Und, um ehrlich zu sein, würde ich dass auf Englisch nur in einem sehr eng eingegranzten Kontext so sagen, wie Du vorschlägst, obwohl ich zugeben muss, kein Muttersprachler zu sein. \"No se siente desafiado\" könnte eher hinkommen, aber um es noch besser zu machen, müsste man die Übersetzung noch länger machen, das artet in Erklärung mit Fußnote und Literaturliste aus. Überstezer dürfen und können das (ohne zu übertreiben), Dolmetscher geniessen diesen Luxus nicht, sonst verlieren sie den Anschluss an den Redner. \"Se aburre\" könnte ich vielleicht in der Hitze des Gefechts sagen, kurz und bündig, aber das setzt einiges an Vorverständnis beim Zuhörer voraus und kann falsch verstanden werden. Ich würde es je nach Kontext überlegen. Aber nimm bitte mein Wort nicht für der Weisheit letzter Schluss, das hier ist nur mein Blog und ich keine Autorität. \"Not challenged\" kann man sagen und ist sicher oft die richtige Entsprechung.
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