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Schikanös


Schikanös ist ganz tautologisch das, was einem wie Schikane vorkommt. Schikane stammt aus dem Französischen chicane, es ist heute ein Begriff aus dem Rennsport. Das Wort wurde jedoch schon im 16. Jh. Aus dem Französischen entlehnt und stand damals für ‚absichtlich niederträchtige Behandlung‘ bzw. ‚Bosheit‘. Es wurde im Deutschen im 17. Jahrhundert etabliert und bedeutete juristisch eine ‚Rechtsverdrehung‘ sowie ‚Spitzfindigkeit‘, ‚Kniff‘, wonach im 19. Jahrhundert die Redewendung mit allen Schikanen mit der Bedeutung  ,mit allen Raffinessen‘, ‚mit allem Zubehör‘ entstand.

Merkwürdigerweise heißt aber die Schikane, die ich meine, auf Französisch nicht mehr chicaner, sondern tracasser. Laut Duden ist eine Schikane eine insbesondere durch „Ausnutzung staatlicher oder dienstlicher Machtbefugnisse getroffene Maßnahme, durch die jemandem unnötig Schwierigkeiten bereitet werden“; angelehnt daran auch „kleinliche, böswillige Quälerei“. Schikane entsteht, wenn der, der am längeren Hebel sitzt, seinen querulantischen Geist auslebt. Am allerlängsten Hebel sitzt natürlich der Staat. Dabei gibt es im Deutschen Recht sogar einen Schikaneverbotsparagraphen, § 226 des BGB!1 Trotzdem gibt es staatliches Mobbing, das ist wohl unvermeidlich.
 
Zur in diesem Blog wiederholt behandelten Sapir-Whorf-Hypothese sei in diesem Falle angemerkt, dass das Fehlen des Begriffs Schikane den Sprechern anderer Sprachen nicht vor derselben bewahrt. Die Tatsache, dass es im Spanischen diesen Begriff nicht gibt ist für den Spanischen Staat kein Hindernis – er schikaniert wie alle Staaten.
 

Verwandte Begriffe: Mobbing, Querulant, Rabulistik

 
1 Ähnlich ist das Schikaneverbot in Österreich (Schadenersatz, § 1295 ABGB) und im Schweizer Recht (Treu und Glauben, Art. 2 ZGB) geregelt.

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