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Etikettenschwindel

False labeling? Spurious labeling? Label fraud? Bogus claims? Oder gleich juristisch korrekt false or deceptive advertising? Auf Spanisch also publicidad engañosa, ganz einfach. Nur, dass Etikettenschwindel auf Deutsch auch in einem weniger juristischen Sinn verwendet wird, in Situationen, in denen es streng genommen nicht um Etiketten oder Werbung geht, sondern um die gewollte Wirkung einer Darstellung nach außen, beispielsweise bei einer Person oder einer Partei. Etikettenschwindel ist kein definierter Straftatbestand, im Gegensatz zu false or deceptive advertising und publicidad engañosa (was nicht deckungsgleich mit publicidad ilícita ist). In Deutschland hieße der Straftatbestand wohl irreführende Werbung. Sowohl die Federal Trade Commission in den USA wie auch das Verbraucherschutzgesetz in Deutschland und Spanien (Ley de protección del consumidor) verbieten diese Praxis, aber logischerweise decken diese Gesetze nicht den Bereich ab, der nicht Gegenstand juristischer Auseinandersetzung sein kann, eben der Bereich, der interessant ist. Woher kommt diese interessante Komponente des Begriffs? Vermutlich stammt sie daher, dass das Wort eine fast poetische Wendung durch den Begriff „Schwindel“ bekommt, womit er in die Umgangssprache eingegangen ist, was einem rein juristischen Begriff nicht vergönnt ist. Ein Schwindel klingt fast verspielt, im Gegensatz zum Englischen fraud, spurious, deceptive oder zum Spanischen fraude bzw. engañoso. Und es ist gerade diese Erweiterung der Bedeutung ins Kolloquiale, die auf der einen Seite interessant, auf der anderen aber schwierig zu übersetzen ist.

Kommentare

 
Am 17.03.2014 um 11:21 von Alexandra
Gibt es denn das Wort "schwindeln" in den anderen Sprachen? Das ist ja etwas, was eher Kinder tun, es ist definitiv harmloser als lügen - vermutlich, weil der Erwachsene weiß, dass es eben nicht die. Wahrheit ist (ja, ich hab mir meine Zähne schon geputzt).

Vermutlich trifft das auch auf den Etikettenschwindel zu - jemand versucht, mit einer "falschen Verpackung" durchzukommen, aber jeder halbwegs verständige Mensch weiß, dass das eigentlich gelogen ist => s.a. Wahlversprechen ... :)

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Am 18.03.2014 um 08:43 von Jordi
Ältere Semester erinnern sich vielleicht an die Sex Pistols, die einen Film drehten und dazu eine Platte herausgaben: ¨The Great Rock & Roll Swindle¨: Im Englischen gibt es das Wort, sowohl als Substantiv wie auch als Verb.

Vielleich ist /schwindeln/ etwas, was eher Kinder machen, aber ein Etikettenschwindel heisst m. M. n. nur verharmlosend so. Wenn z. B. eine Partei als Eurogegner auftritt, aber in Wahrheit ein Sammelbecken für Reaktionäre und fundamentalistische bibeltreue Christen ist, wird das ganze Ernst.

Ich sehe ebenfalls eine enge Verwandschaft mit der /Mogelpackung/. Hatte ich die nicht schon besprochen? Ich schaue nach, andernfalls wird die nachgereicht.
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